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Seelsorgebrief Januar 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

weißes Licht, vom Raureif erstarrte Wege und Wiesen; und die Bäume tragen statt Blättern eisige Kristalle. Frostig, ja, aber doch wunderschön. Unter dem Eindruck eines Raureifspazierganges schreibe ich diese Gedanken. Hoffentlich erleben auch Sie im Januar eine solche winterliche Pracht.

Wenn ich für den Winter eine typische Farbe wählen sollte, wählte ich weiß. Obwohl das nicht wirklich eine Farbe ist, genauso wenig wie Schwarz; weiß ist vielmehr das Zusammenfallen aller Farblichter in eins und es entsteht reines weißes Licht.

Am Anfang des neuen Jahres wenigstens einen Tag nur weiß sehen, wenn nicht in schneebedeckter Landschaft, so doch wenigstens im Blick aus dem Fenster auf Raureif, so als könnte die Erde mit ihrer Geschichte neu beginnen. Alle Farben auf weiß gelöscht, alle sommerlichen und herbstlichen Farbenspiele gehen im weißen Glanz auf. Neubeginn eines Jahres, Neubeginn des Lebens, Neubeginn einer Geschichte, so wie mein Schreibblock vor kurzem noch weiß da lag und nun darauf sich Gedanken niederschlagen.

Könnte ich doch mit dem neuen Jahr wie mit einem neuen Blatt beginnen. Noch ist es fast unbeschrieben und ich habe noch Raum, hinzuschreiben, was mir wichtig ist im noch kommenden Jahr. Es müssen nicht, zumindest nicht als erstes, management-optimierte Ziele da stehen, auch nicht moralische Vorsätze, die meistens mit „ich höre auf mit …“ beginnen. Sie würden das reine Weiß nur mit grauen,  kleinkarierten Rechtecken bedecken und Lebensenergie aufsaugen. „Mich heute so annehmen, wie ich geworden bin.“ – das könnte ich mir gut als ersten Satz fürs Jahr wünschen.

Weiß ist eine wertvolle Farbe. Früher war das Bleichen von Leinen ein eigener Beruf und es wurden die Leinenstoffe mit Hirschhornsalz wochenlang in der Sonne gebleicht bis man strahlendes Weiß erhielt.

Nur Reiche konnten sich weiße Gewänder leisten und Altäre wurden mit weißen Tüchern bedeckt als Zeichen der Auferstehung des Lebens. Weiß wurde zur Symbolfarbe der Gottesnähe, nahe bei Gold gelegen, das Gott in gotischen Bildern symbolisiert.

Was werde ich in diesem Jahr 2017 auf das neue weiße Blatt schreiben?

Über Jesus von Nazareth habe ich kürzlich gelesen, er hätte sein Leben und seine Botschaft unter das Motto stellen können: „Werde Anfänger!“ denn er denke von einer irgendwie offenen, besseren, gottdurchdrungenen Zukunft her. Die nennt er Reich Gottes, Himmelreich. Und er spricht immer von einer kommenden Wirklichkeit. Die steht immer noch, auch nach 2000 Jahren, am Anfang.

Vielleicht haben der Auferstandene und die Neugetauften deshalb ein weißes Gewand an?

Jesus geht mit den Menschen so um, dass sie immer wieder neu anfangen wollen, ob es schuld-gelähmte oder lebensblinde oder zukunftstaube Menschen sind: Sie werden in seiner Begegnung hellhörig, weitsichtig, lebendig, weil Jesus größer von ihnen denkt, als sie oder er jetzt noch sind. Er redet so mit denen, die nichts mehr mit sich anfangen können, dass sie eine Zukunft vor sich wahrnehmen. Ihr Lebensblatt wird weiß und sie können beginnen, neu anzufangen! Da wirft der Blinde seine Binde weg, weil er kapiert hat, dass er als Mensch mit Zukunft gedacht ist, über den Tod hinaus.

Ein weißes Blatt 2017 ist uns gegeben – Zukunft mit der wir etwas anfangen können. Mögen wir neu beginnen können am Beginn dieses Jahres. Wenn es sein muss jeden Tag neu

Ein gesegnetes Neues Jahr wünsche ich, auch im Namen des ökumenischen Seelsorgeteams, uns allen!

Ihr Josef Germeier, Pastoralreferent 

 

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