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Krankheitsbild

Was ist eigentlich eine sogenannte Persönlichkeitsstörung?

Die Persönlichkeit eines jeden Menschen umfasst weitestgehend stabile Muster im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in Verhaltensweisen als Reaktion auf das Selbst und die Umwelt. Bei sogenannten Persönlichkeitsstörungen sind diese Muster besonders stark und unflexibel ausgeprägt. Der Begriff „Persönlichkeitsstörung“ erscheint auch vielen Psychologen  und Psychiatern ungünstig gewählt, weil es für viele so klingt, als sei die eigene Person „falsch“ oder „schlecht“. Besser könnte man von „Menschen mit schwierigen/dysfunktionalen Persönlichkeitsanteilen“ sprechen. Diese Anteile können jedoch derart stark ausgeprägt sein, dass sie über lange Zeit im Leben erhebliches Leiden verursachen (z.B. durch Arbeitssucht, leichte Kränkbarkeit, Schüchternheit, Selbsthass,…). Der Ursprung dieser Muster liegt meist in der Kindheit oder Jugend, wenn Grundbedürfnisse des Kindes (wie z.B. nach Nähe, Anerkennung, Wertschätzung) von seinen Bezugspersonen verletzt wurden und wo sie eine Art „emotionale Überlebensstrategie“ auf diese ungünstige Entwicklungsbedingungen waren. Zum Beispiel kann jemand, der als Erwachsener besonders perfektionistisch und leistungsorientiert ist, in der Kindheit „gelernt“ haben, dass er Liebe und Wertschätzung nur erhält, wenn er immer alle Anforderungen zu 100% erfüllt und immer pflichtbewusst und strebsam ist. Bleiben diese extremen Verhaltens- und Erlebensmuster im Erwachsenenalter bestehen, können sie bei schwierigen Lebenssituationen, aber auch Alltagsbelastungen dazu führen, dass chronische Unzufriedenheit und Frust entsteht (z.B. in der Partnerschaft, in der Arbeit), wir „ausbrennen“ und ein Burnout/Depression bekommen oder häufige Konflikte mit Mitmenschen auftreten. Andererseits bleiben dabei unsere eigentlichen Bedürfnisse und Ziele unerfüllt, wir fühlen uns einsam, hilflos oder überfordert. Moderne Psychotherapieverfahren helfen dem Betroffenen, diese extremen, „dysfunktionalen“ Verhaltensweisen abzubauen, zugrundeliegende Bedürfnisse besser zu erkennen und neue, „funktionalere“ Strategien zu entwickeln, um seelische Grundbedürfnisse zu befriedigen.

 

Merkmale der Borderline-Störung, bzw. der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ:

Charakteristikum der emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, kurz der Borderline-Störung, sind rasch einschießende, z.T. anhaltende Zustände äußerst starker innerer Anspannung. Um diese sehr unangenehmen Zustände zu beenden, setzen Betroffene oft dysfunktionale Verhaltensweisen ein, wie Selbstverletzung („Ritzen“) oder Ess-Brech-Anfälle. Die Borderline-Störung ist relativ häufig und betrifft etwa 1-2% der Bevölkerung (Punktprävalenz), wobei das Geschlechterverhältnis ist in etwa ausgeglichen ist. Die Borderline-Störung hat ihren Beginn in der frühen Adoleszenz und ihren Höhepunkt Mitte 20.  Die Beeinträchtigung des sozialen Funktionsniveaus  ist meist sehr hoch. Krankheitsverschlimmernd sind vor allem Alkohol- und Drogenmissbrauch. Krankheitsursache ist die Wechselwirkung zwischen psychosozialen Belastungsfaktoren (teilweise sehr frühe sexuelle oder körperliche Gewalterfahrungen, emotionale Vernachlässigung, invalidisierende Umgebung)  sowie genetischen Faktoren.

Typische Merkmale der Borderline-Störung:

  • Heftige Emotionen und plötzliche Stimmungsschwankungen, Störung der Affektregulation
  • Häufige und unangemessene Wutgefühle und Schwierigkeiten, seinen Ärger zu kontrollieren
  • Quälende Gefühle von Anspannung oder Niedergeschlagenheit
  • Chronisches Gefühl der Leere und der Sinnlosigkeit
  • Ausgeprägte Instabilität des Selbstbildes und der inneren Präferenzen
  • Impulse, sich selbst  zu verletzen oder Selbstverletzungen
  • Hochrisikoverhalten oder  Impulsivität (Geldausgabe, Sexualität, Substanzmissbrauch, Essanfälle, rücksichtsloses Fahren)
  • Suizidgedanken, Suiziddrohungen  und Suizidversuche
  • Verzweifeltes Bemühen, Alleinsein oder vermutetes oder  tatsächliches Verlassen werden zu verhindern
  • Große Schwierigkeiten, stabile oder länger dauernde emotionale Bindungen einzugehen
  • Stark eifersüchtiges Verhalten
  • Muster intensiver aber instabiler zwischenmenschlicher Beziehungen
  • Unwirklichkeitszustände (Dissoziationen)
  • Durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder Trugwahrnehmungen

 

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