Aufteilung der Sicherungsstufen

Jede der Stationen der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie ist einer von drei bautechnischen Sicherungsstufen zugeordnet:

  • Sicherungsstufe A: besonders gesicherte forensische Station
  • Sicherungsstufe B: geschlossene forensische Station
  • Sicherungsstufe C: forensischer Rehabilitationsbereich

Entsprechend dem von der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie  aufgestellten Therapieplan (s. u.) wird jedem Patienten eine von vier Freizügigkeitsstufen zugeordnet, die bayernweit einheitlich geregelt sind. Auf den besonders gesicherten Stationen (Sicherungsstufe A) befinden sich ausschließlich Patienten der Lockerungsstufe 0.

Der zur individuellen Einstufung der Patienten führende Entscheidungsprozeß durchläuft mehrere Ebenen:

In den wöchentlichen multiprofessionellen Teamsitzungen jeder Station (einschließlich stationübergreifender Dienste wie Kunst-, Musik- und Ergotherapeuten, soweit zeitlich möglich) werden aus unterschiedlichen Perspektiven die dokumentierten Fort- bzw. Rückschritte der Patienten besprochen.

Darauf gestützt, wird in jedem Stationsteam einmal monatlich die Einstufung eines jeden Patienten überprüft und gegebenenfalls eine Neueinstufung vorgeschlagen. Im allgemeinen wird keine Lockerungsstufe übersprungen.

Im Anschluß daran erfolgt ebenfalls einmal monatlich auf Fachbereichsebene eine Stufungskonferenz, in der neben dem ärztlichen und dem Pflegedienst-Leiter des Fachbereichs alle Oberärzte und diejenigen Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und pflegerischen Mitarbeiter teilnehmen, die entweder als therapeutische oder als pflegerische Bezugspersonen der zur Stufung vorgeschlagenen Patienten anwesend sind. Für jeden vorzuschlagenden Fall sind durch die therapeutische Bezugsperson, auch wenn der Patient in diesem Gremium bereits vorgestellt wurde, kurz zusammengefaßt Vorgeschichte und Delikt(e) darzustellen und vor dem Hintergrund relevanter Prognosefaktoren und des bisherigen Therapiefortschritts der Stufungsvorschlag zu begründen. Unbeschadet der formell bestehenden Letztentscheidung (und der Gesamtverantwortung) des ärztlichen Leiters des Fachbereichs wird eine Entscheidung zugunsten einer Lockerung in der Regel nur dann getroffen, wenn aus dem Gremium keine ernsthaften Zweifel angesprochen bzw. aufrechterhalten werden. Über jede Stufung wird ein Kurzprotokoll vorbereitet, das während der Stufungskonferenz von den jeweils für den Patienten Zuständigen (Chefarzt, Oberarzt, therapeutische Bezugsperson - also Stationsarzt, Psychologe oder Sozialpädagoge - und Bezugs-Schwester / -Pfleger) abgezeichnet wird. Dieses Protokoll wird anschließend in der Krankengeschichte abgeheftet.

Bei bestimmten Patienten würde das zwanghafte Festhalten am Stufenplan mitunter zu endlosen Wiederholungsschleifen und zu unverhältnismäßigen Aufenthalten im MRV führen, z. B. bei manchen hebephrenen oder auch bei einem Teil der geistig behinderten Patienten. In solchen Fällen kann nach individueller Abwägung vom regulären Stufenplan abgewichen und nach speziellen Lösungen (z. B. 1:1-Ausgang mit Bezugspflegekraft  o. ä.) gesucht werden.

Im Gegensatz zur Stufung in Richtung weiterer Lockerung kann eine Rückstufung, etwa im Zusammenhang mit Lockerungsmißbräuchen o. ä., im Prinzip jederzeit durch den zuständigen Oberarzt bzw. nach Rücksprache mit diesem erfolgen und ist auch nicht an das Stufe-auf-Stufe-Prinzip gebunden.

Ab Lockerungsstufe B (Ausgang ins Gelände) muss vor Gewährung der Lockerung die zuständige Vollstreckungsstaatsanwaltschaft informiert und gehört werden. Außerdem wird unter bestimmten Umständen auch eine Stellungnahme der Polizei eingeholt.

 

Haus 21