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Therapie

Die Behandlung der Patienten erfolgt durch das ärztlich geleitete multiprofessionelle Team der Station. Es besteht aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen und Pflegepersonal in Kooperation mit stationsübergreifenden therapeutischen Diensten.

Die Therapie berücksichtigt aktuelle und erprobte Konzepte bei der Behandlung von Straftätern und basiert auf den Grundlagen moderner psychiatrischer und psychotherapeutischer Interventionstechniken. Da die Therapie neben der Besserung des gesundheitlichen Allgemeinzustandes vor allem eine Verhinderung weiterer Straftaten zum Ziel hat, dauert eine Behandlung im forensisch-psychiatrischen Fachbereich deutlich länger als in der Allgemeinpsychiatrie, außerdem erfordert sie von den Therapeuten ein besonders hohes Maß an Qualifikation und Leistungsbereitschaft sowie die Fähigkeit, mit Prognoseinstrumenten die Gefährlichkeit des Untergebrachten einschätzen zu können.

Die Behandlung

Die Behandlung forensisch untergebrachter Patienten ruht im wesentlichen auf 3 therapeutischen Säulen. Hierzu zählen die Psychopharmakotherapie, die Psychotherapie, die Sozialtherapie, sowie die Milieutherapie

Die Psychopharmakatherapie besteht nicht nur aus der Einstellung des Patienten auf ein geeignetes Psychopharmakon, vielmehr muss der Patient selbst von der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme überzeugt werden. Psychische Störungen sind oft von fehlender Krankheitseinsicht begleitet, da der Patient nicht sich selbst, sondern seine Umwelt als verändert erlebt. Das Erkennen der psychischen Störung durch den Patienten selbst sowie ein sicherer und zuverlässiger Umgang mit der entsprechenden Medikation ist somit ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Zur Überprüfung, ob ein Patient zuverlässig die ihm verordnete Medikation einnimmt, werden in unregelmäßigen Abständen Blutspiegelkontrollen durchgeführt. Neben Psychopharmaka finden auch antihormonelle Medikamente bei der Behandlung von Sexualstörungen Anwendung. Die Medikation erfolgt meist mit Einverständnis des Betroffenen. Zwangsbehandlungen werden im Bereich der Forensik selten durchgeführt, da die Eigenverantwortung des Patienten im Vordergrund steht. Wenn dennoch Behandlungen ohne Einverständnis des Betroffenen durchgeführt werden müssen, was gelegentlich der Fall ist, so erfolgt dies stets im Rahmen der gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie sie im Maßregelvollzugsgesetz, in der StPO sowie im Unterbringungsgesetz geregelt sind. Die Entwicklung der Fähigkeit eines Patienten, Verantwortung für sich und seine Erkrankung zu übernehmen, ist eine der zentralen Säulen der Therapie, die mit den Mitteln einer Zwangsbehandlung jedenfalls auf längere Sicht nicht zu erreichen ist. Fehlende oder nur unzureichende Behandlungsbereitschaft kann oft ein Grund für lange Aufenthalte sein, da eine unzureichende medikamentöse Behandlung und ein somit unvollständig behandeltes Krankheitsbild erhebliche Risiken für erneute Straffälligkeit mit sich bringen kann.

Das psychotherapeutische Angebot umfasst verschiedene Angebote für Gruppen- und Einzeltherapie

Zu den Gruppenangeboten zählen z.B.:

  • Stationsmeeting
  • themenzentrierte Gesprächsgruppe
  • Interaktionsgruppe
  • psychoedukative Gruppen
  • Reasoning & Rehabilitation (R&R)
  • SOTP
  • Musik-, Sport-, Kunst- bzw. Maltherapie
  • Ergotherapie (Beschäftigungs- und Arbeitstherapie)

Ferner werden therapeutische Einzelgespräche mit einem bzw. Einzelpsychotherapie durch einen Arzt oder Psychologen der Station durchgeführt. Das Therapiekonzept verfolgt hierbei mit integrativ psychdynamischen sowie kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden das Ziel, den Patienten eigene Defizite erkennen zu lassen, die Entstehung der eigenen Störung zu verstehen, den Umgang mit ihr zu erlernen, bislang unbewusste Konflikte aufzudecken und sie zu lösen, ohne erneut delinquent zu werden, eigene Ressourcen zu nutzen und weiterzuentwickeln, sowie künftig Risikosituationen erkennen und vermeiden zu können. Je nach Störung und Fähigkeiten werden für jeden Patienten individuelle Therapiekonzepte erstellt. Therapiefortschritte werden in regelmäßigen Abständen überprüft und ggf. das Therapiekonzept modifiziert. Besondere Bedeutung haben bei der Therapie konzeptionelle Projekte: Persönlichkeitsgestörte Straftäter werden in einer stations-übergreifenden Gruppe behandelt. Spezialstationen widmen sich Aufgaben wie der Behandlung von Sexualstraftätern oder von Suchterkrankungen. Darüber hinaus werden Beratungsgespräche, zum Teil auch in Gruppenform für Angehörige von Straftätern oder auch für Opfer und deren Angehörige angeboten.

Bei erfolgreichem Verlauf der psychiatrischen und psychotherapeutischen Therapie gewinnt die sozialpädagogische Beratung und Unterstützung bezüglich Rehabilitationsmaßnahmen (finanziell, beruflich, im Wohn- und Freizeitbereich) zunehmend an Bedeutung. Da die Entlassungsphase eine besonders sensible Phase des Therapieverlaufes darstellt, müssen bereits weit im Vorfeld Vorbereitungen getroffen werden. Hierzu erfolgt in enger Kooperation mit außerklinischen Einrichtungen (z. B. Justiz, niedergelassene Ärzte, sozialpsychiatrische Dienste, Bewährungshelfer, Berufsbildungs- und -förderungswerke, Arbeitsämter, Wohngemeinschaftsträger etc.) ein intensiver Informationsaustausch, um optimale Voraussetzungen für eine Nachsorge nach dem klinischen Aufenthalt zu schaffen. Sondermaßnahmen wie Einzelunterricht durch externe Lehrkräfte (z. B. mit dem Ziel des Hauptschulabschlusses) runden das therapeutische Gesamtkonzept ab.

 Nachsorge

Die Verantwortung der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie für die Patienten reicht auch über die Zeit der eigentlichen Unterbringung hinaus und trägt somit entscheidend zur stabilen sozialen Reintegration der Patienten bei. Dieser Aufgabe widmet sich die Forensische Ambulanz. Hierbei werden ehemalige Patienten nicht nur in therapeutischen Fragen unterstützt, aufgrund der besonderen Kompetenz der hier tätigen Therapeuten können auch drohende neue Straftaten oft bereits im Vorfeld erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Patienten, die unentschuldigt vereinbarten Therapiesitzungen fernbleiben, werden angerufen oder auch persönlich aufgesucht. Gegebenenfalls wird von den behandelnden Therapeuten im Sinne einer Krisenintervention eine Wiederaufnahme veranlasst, noch bevor sich neue Delikte zugetragen haben.

Zu dem Konzept der Nachsorge gehört auch der Aufbau einer extramural gelegenen therapeutischen Wohngemeinschaft für entlassene Forensikpatienten seit 01.07.1997, anfangs mit acht, seit Frühjahr 2005 auf 14 Plätze in einem Zweifamilienhaus erweitert.

 Qualitätssicherung

Die Einführung eines umfangreichen forensischen Dokumentations- und Qualitätssicherungssystems im November 2000 in Kooperation mit der LMU und FH München ist wesentlicher Bestandteil zur Überprüfung der Relevanz und Effizienz der Therapie-, Prognose- und Sicherheitskonzepte des Fachbereichs Forensik.

Mit freundlicher Genehmigung eines Patienten

 

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