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Konzeption des Psychotherapeutischen Reitens

Wegen der Vielfalt der therapeutischen Möglichkeiten mit dem Pferd zeigte sich die Notwendigkeit, bei den verschiedenen psychiatrischen Krankheitsbildern unterschiedliche Behandlungsformen, -wege und -ziele zu entwickeln, die den jeweiligen Bedürfnissen, Defiziten und Ressourcen der Patienten entsprechen. Daraus entstand eine individuelle therapeutische Maßnahme, bei der durch Orientierung am Entwicklungsprozess eine differenzierte Psychodiagnostik und Psychotherapie möglich wird.

Hier die einzelnen Settingformen:

Bei der Beobachtung einzelner freilaufender Pferde können die Patienten die äußerlichen und charakterlichen Eigenschaften der Pferde aus der Distanz kennen und unterscheiden lernen und erste Kontakte knüpfen. Das frei galoppierende Pferd fasziniert und motiviert, mobilisiert aber auch (gesunde) Ängste, die im folgenden therapeutischen Prozess als bewältigbar erlebt werden können. Gleichzeitig ist das Pferd ein Projektionsfeld für Phantasien und Wünsche, ein archetypisches Symbol, das für Mutter, Vater, Kind, aber auch für Freiheit, Mut und Lebendigkeit stehen kann.

Die Pflege und das fachgerechte Satteln und Zäumen der Pferde fördern die Kontaktaufnahme zu den Pferden und zur Gruppe und die Fähigkeit zur Bewältigung komplexer Arbeitsgänge. Die natürlichen Reaktionen und individuellen Eigenheiten der Pferde werden deutlich. Berührungsängste werden abgebaut. Freude an mutigem Handeln wird gefördert. Durch fürsorgliche Pflege wird das Verantwortungsgefühl für die Pferde und das eigene Selbstwertempfinden gestärkt.

Das Geführt- und Longiert-werden auf dem ungesattelten, nur mit einem Voltigiergurt ausgerüsteten Pferd ermöglicht das intensive Erspüren der Bewegungen des Pferderückens. Das passive "Getragen- und Geschaukelt-werden" von einem lebendigen Wesen in direktem, engem Körperkontakt macht eigene Körperlichkeit und Emotionen bewußt. Der Einsatz von Pferden unterschiedlicher Größe und Farbe, verschiedenartigem Bewegungsablauf und Temperament fördert eine differenzierte Wahrnehmung optischer, olfaktorischer, akustischer, taktiler und kinästhetischer Reize. Es kann sich ein positives Körpergefühl entwickeln, das eine Öffnung zur eigenen Lebendigkeit und zur Gruppe bewirkt. Emotional zurückgezogene Patienten werden "gruppenfähig". Beziehungsmuster werden deutlich.

Der Weg zum selbständigen Reiten führt über das Longiert-Werden, das Reiten am Führzügel bis hin zur tatsächlich selbständigen reiterlichen Einwirkung auf das Pferd. Gut ausgebildete Pferde erleichtern diesen therapeutischen Entwicklungsschritt, der im Sinne einer Identitätsbildung und Ich-Stärkung verstanden werden kann.

Die gemeinsame Arbeit von zwei bis drei Patienten mit jeweils einem Pferd in einer so genannten Kleingruppe in allen oben benannten Tätigkeitsfeldern fördert die natürliche, zwischenmenschliche Kommunikation und Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfestellung aber auch Abgrenzung. In einem anschließenden Gruppengespräch der Gesamtgruppe findet neben einem Erfahrungsaustausch aller Teilnehmer und Reflektion des individuell unterschiedlichen Erlebens eine gruppendynamische Beziehungsklärung, d.h. analytisch-orientierte Gruppentherapie unter fachlicher Leitung statt, sowie - wenn möglich - ein Transfer auf die Bewältigung von Alltagsproblemen.

In beliebigen zeitlichen Abständen wird psychoanalytisch-systemische Kunsttherapie in Form von spontanem Malen nach den jeweiligen Reittherapiestunden durchgeführt. Dies dient der direkten Veranschaulichung von individuellen emotionalen Erlebnissen und Berührtheiten sowie der Gestaltung innerer Bilder. Zusätzlich wird hierdurch eine ergänzende spezifische Ich-strukturelle Psychodiagnostik - aktuell und im Verlauf - möglich, die für die weiteren therapeutischen Zielsetzungen maßgeblich ist.

 

 

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