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Häufige Fragen von Angehörigen und Besuchern forensischer Patienten

Infobroschüre für Besucher

Information zu Angehörigensprechstunden in der Streitfeldstr.

Information zu Infoabenden, Angehörigensprechstunden und Selbsthilfegruppen

Ist der Maßregelvollzug wirklich zeitlich unbefristet?

Eine Unterbringung nach § 64 StGB darf 2 Jahre nicht übersteigen, kann aber abhängig von der mit verhängten Freiheitsstrafe um die Dauer der Anrechnung der Zeit im Maßregelvollzug auf die Strafe verlängert werden.  

Eine Unterbringung nach § 63 StGB ist zeitlich unbefristet. Eine Entlassung ist abhängig von dem Behandlungsverlauf und der Besserung des psychischen Zustands des Patienten. Eine Entlassung erfolgt dann, wenn der Patient nach abgeschlossener Therapie aller Wahrscheinlichkeit nach außerhalb der Maßregel keine neuen Straftaten mehr begehen wird  Die Therapieerfolge werden in Lockerungen erprobt und ein sozialer Empfangsraum gestaltet, der den Patienten auch nach der Entlassung darin unterstützt in größtmöglicher Selbstverantwortung psychisch stabil und straffrei zu leben. 

Ist mein Angehöriger auf den Stationen unter den anderen Patienten sicher?

 Auf den forensischen Stationen sind Patienten mit ganz unterschiedlichen Störungsbildern und Delikten untergebracht. Es handelt sich um Menschen mit sehr schweren psychischen Erkrankungen die z. T. massiv straffällig geworden sind. Extrem „gefährliche“ Patienten, also Patienten die durchgängig als akut fremdgefährlich eingeschätzt werden müssen, sind allerdings auch im Maßregelvollzug des KMO die Ausnahme. In der Regel werden solche Patienten zur intensiven Therapie in das BKH Straubing verlegt.

Aber auch auf den Stationen des KMO kann es immer mal wieder zu angespannten Situationen  kommen. Das Personal und der Sicherheitsdienst der Forensik sind diesbezüglich speziell geschult und darauf eingestellt, mit aggressivem Klientel deeskalierend und sichernd professionell umzugehen. Im Unterschied zum Strafvollzug gibt es auf den forensischen Stationen eine höhere, 24-stündige Personal Präsenz und Notrufanlagen in den Patientenzimmern sowie bei den Mitarbeitern. Das Pflegepersonal hat speziell schwächere Patienten im Blick und spricht gezielt an, wenn der Eindruck entsteht, dass ein Patient auf seiner Station unter Druck gerät. Angehörige können helfen, indem sie dem Pflegepersonal berichten, wenn ihr Angehöriger über bedrohliche Situationen auf der Station erzählt.   

Wie kann ich meinen Angehörigen am besten unterstützen?

Neben der strafrechtlichen Seite der Unterbringung ist ein Aufenthalt im Maßregelvollzug auch ein Klinikaufenthalt. Wie in einer „normalen“ psychiatrischen Klinik versuchen auch wir mit einem breitgefächerten therapeutischen Angebot die psychischen Probleme des Patienten zu behandeln. Das Interesse der Therapeuten an der Einbeziehung der Angehörigen ist groß. Grenzen sind allerdings durch die Schweigepflichten und auch die strafrechtlichen Vorgaben (z.B. Kontaktkontrollen während der vorläufigen Unterbringung nach § 126a StPO) gegeben. Angehörige können maßgeblich dazu beitragen, den Untergebrachten für die Therapieangebote zu interessieren und zu motivieren. In manchen Fällen werden Interventionen von den Patienten nicht akzeptiert und abgelehnt, manche als notwendig erachteten Behandlungsmaßnahmen (z.B. Medikation, Teilnahme an bestimmten Therapiegruppen etc.) werden erst nach einem längeren therapeutischen Prozeß von den Patienten angenommen. Oft störungsbedingte Widerstände verlangsamen so manchmal den Behandlungsprozess. Angehörige können hier, dadurch dass sie sich selber über die Behandlungsmaßnahmen (Medikamente, Therapieprogramme etc.) informieren, dabei mithelfen, Ängste der Patienten abzubauen.

Die wichtigste Form der Unterstützung ist allerdings allein schon die Bereitschaft den Kontakt zum Untergebrachten zu halten und zu signalisieren, dass man ihn nicht fallen lässt.

Manchmal ist die Unterbringung auch eine Chance für die Angehörigen „Luft zu schnappen“ nach einer langen anstrengenden Phase, in der sie z. T. allein die Verantwortung für den kranken Sohn oder Partner getragen haben. Die verantwortliche Sorge um sich selbst und die eigene Psychohygiene ist eine wichtige Grundlage, die sie brauchen um in der Lage zu sein, ihren untergebrachten Angehörigen zu unterstützen.

Was kann ich meinem Angehörigen bei Besuchen mitbringen?

Abhängig von den unterschiedlichen Stationen und dem rechtlichen Status ihres Angehörigen gibt es Vorgaben, was Sie bei den Besuchen mitbringen dürfen. In dem „Infoblatt für Besucher“ (siehe Anhang) finden Sie die Detailinformationen. Bei Unsicherheiten zögern Sie nicht, den Besucherdienst oder das Pflegepersonal direkt anzusprechen und nachzufragen.  

Wie erhalte ich eine Besucherlaubnis?

Bei Unterbringungen nach § 126a StPO (Unterbringung analog zu Untersuchungshaft) genehmigt der Ermittlungsrichter bzw. die ermittelnde Staatsanwaltschaft den Besuchskontakt. Den Antrag stellen Sie am leichtesten über den Anwalt ihres Angehörigen. Sie können allerdings auch direkt bei Gericht unter Angabe des Aktenzeichens den Antrag stellen. Liegt die Genehmigung vor, benötigen Sie zudem noch ein Erstgespräch mit dem zuständigen Therapeuten, bei dem Sie offiziell über die Hausordnung der Station belehrt werden müssen. Um unnötige Wege und lange Wartezeiten zu vermeiden, ist es sinnvoll dieses Erstgespräch mit dem zuständigen Therapeuten telefonisch zu terminieren.

  

Wie kann ich mich über die rechtlichen Hintergründe der Maßregelvollzugs informieren?                                                                         

Es gibt mittlerweile sehr gute und umfassende Literatur zum Maßregelvollzug (siehe Bücherliste im Anhang). Über rechtliche Vorgaben können Sie sich außerdem auch in der Angehörigengruppe (jeden 1. Montag im Monat, 18.00 – 19.30 Uhr) oder direkt bei dem Bezugstherapeuten ihres Angehörigen informieren.  

Wie erhalte ich mehr Informationen über die psychische Erkrankung meines Angehörigen?

Es gibt mittlerweile sehr gute und umfassende Literatur zu psychischen Erkrankungen (siehe Bücherliste im Anhang). Über psychische Erkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten  können Sie sich außerdem auch in der Angehörigengruppe (jeden 1. Montag im Monat , 18.00 – 19.30 Uhr) oder direkt bei dem Bezugstherapeuten ihres Angehörigen informieren. 

Was ist der forensische Stufenplan? 

Sinn der Maßregelbehandlung ist die Behandlung von psychischen Störungen und (daraus resultierend) die Verringerung der krankheitsbedingten Delinquenz der untergebrachten Patienten. Um Therapieerfolge zu erproben und langfristig die Patienten auf ihre Entlassung vorzubereiten werden ihnen schrittweise Freizügigkeiten eingeräumt. Jede Lockerung wird in unterschiedlichen Gremien in der Klinik, bei Gericht bzw. auch mit externen Gutachtern diskutiert. Gelingt die Erprobung in einer Lockerungsstufe, wird der Patient in der darauffolgenden Lockerungsstufe mit weiterreichenden Freizügigkeiten erprobt. Gelingt die Erprobung nicht (Suchtmittelrückfälle, Unzuverlässigkeiten, Nichteinhaltung von Absprachen etc..), wird mit dem Patienten nochmals intensiver therapeutisch gearbeitet, evtl. kann eine Lockerung zurückgenommen werden oder bei einer Gefährdung der psychischen Stabilität des Patienten eine Rückverlegung auf eine gesicherte Station erfolgen.

Lockerungsstufen:

0  =  keine Lockerung

A =  Personal begleitete Ausgänge

B =  unbegleitete Ausgänge auf dem Gelände

C =  unbegleitete Stadtausgänge

D =  Übernachtungsurlaube / Probewohnen       

Wie wird mein Angehöriger auf die Entlassung vorbereitet?

Abhängig von der Störung, dem Behandlungserfolg und der der Unterbringung zugrunde liegenden Straftat wird zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Therapie mit der Gestaltung des sozialen Empfangsraum begonnen. Die zuständigen Therapeuten geben Empfehlungen bzgl. der Wohn– und Arbeitssituation und bereiten diese gemeinsam mit dem Patienten vor. Manche Patienten werden in eine eigne Wohnung und zu ihren Familien entlassen, manche gehen in betreute Wohngemeinschaften, andere in Einrichtungen mit beruflichen Reha-Angeboten oder mit einem beschützenden Setting. Die Planung wird in der Regel von den Sozialpädagogen der Stationen formal umgesetzt. Wenn Sie sich nicht ausreichend in die Planung mit einbezogen fühlen, erkundigen Sie sich bitte bei dem zuständigen Therapeuten oder dem Sozialpädagogen der Station.

Welche Unterstützungen erhält mein Angehöriger nach der Entlassung?

Eine Entlassung aus der Maßregel ist immer „auf Bewährung“, d.h. mit der Entlassung beginnt eine in der Regel 5jährige Führungsaufsichtszeit. Der ehemalige Patient erhält Bewährungsauflagen, einen Bewährungshelfer (BWH) und zumeist eine Anbindung an die forensische Ambulanz. Die Bewährungsauflagen legen Bestimmungen fest, an die sich der Patient für die Dauer der Bewährungszeit zu halten hat, z.B. Alkohol- und Drogenabstinenz, Medikamenteneinnahme etc. Die Kontrolle der Auflagen übernehmen Bewährungshilfe und Ambulanz. Diese Stellen kontrollieren aber nicht nur, sie bieten auch ein breites Spektrum an psychosozialen und psychiatrischen Unterstützungen an (z.B. Psychotherapie, Gruppenangebote, sozialpädagogische Unterstützung bei Schulden, Behörden, Anträgen, Wohnungs- und Arbeitssuche etc., psychiatrische Behandlung und Beratung). 

Zu Beginn der Führungsaufsichtszeit sind wöchentliche Kontakte zur Ambulanz die Regel, bei positivem Verlauf wird die Frequenz bis hin zu monatlichen Kontakten gedehnt.

Treten Krisen auf (z.B. Suchtmittelrückfälle, neue Krankheitsphasen, erneute Straftaten) kann über die BWH und die Ambulanz schnell reagiert werden, es können ambulante oder stationäre Kriseninterventionen initiiert werden die helfen, (im schlimmsten Fall) auch einen Bewährungswiderruf zu vermeiden. Ziel der Nachsorge ist, dass die ehemaligen Patienten langfristig ein psychisch stabiles, größtmöglich selbstbestimmtes und straffreies Leben  führen können.

Wie sieht das therapeutische Programm auf den Stationen aus?

Ausführliche Informationen hierzu finden Sie unter der Rubrik „Fachbereiche – Forensik – Therapieangebote“ auf der Homepage.

 

 

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