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 Pflege in der Forensik

Die pflegerische Kompetenz in der Forensik beruht neben einer fachlich fundierten Ausbildung auf einem humanistisch geprägten Menschenbild, welches in Verbindung mit dem Pflegeleitbild des IAK-KMO die ethisch moralischen Grundlagen für das pflegerische Handeln definiert. Diese Haltung findet ihren Ausdruck in der Milieutherapie. Sie ist die Kernaufgabe der Pflege in der Forensik und bezweckt durch Implementierung einer therapiefördernden Atmosphäre auf Station die Voraussetzungen zu einer erfolgreichen Therapie der Patienten zu schaffen. Die Patienten werden durch das Trainieren von Alltagskompetenzen unterstützt, als Ziel des Resozialisierungsprozesses ein deliktfreies Leben zu führen. Dabei steht das Leben mit bzw. die notwendige Akzeptanz der Erkrankung und gegebenenfalls das suchtfreie Leben im Vordergrund.

Als eine der therapeutischen Säulen in der Forensik wird die pflegerische Milieutherapie durch gezielte Steuerung von Umgebungsvariablen koordiniert. Die dazu eingesetzten Wirkfaktoren sind Partizipation, soziales Lernen, Leben in der Gemeinschaft und Kommunikation, die je nach Bedürfnis der Patienten in unterschiedlicher Gewichtung und eingeschränkt durch die erforderlichen Grenzen im Maßregelvollzug zur Anwendung kommen.[1]

Im Rahmen des Bezugspflegesystems erhält jeder Patient eine individuelle Pflegeplanung, womit unter Einbeziehung seiner Ressourcen die Eigenverantwortlichkeit gestärkt und positive Verhaltensmuster wiedererlangt werden sollen. Zentraler Aspekt ist das Erfahren von Erfolgserlebnissen durch das Lernen am Modell in Einzel- und Gruppenmaßnahmen. Die Pflege vermittelt in ihrer Vorbildfunktion sowohl Werte und Normen als auch Struktur und Regeln.

Besonderes Augenmerk legt die Pflege dabei auf das Sozialverhalten, die Motivation, die Emotion, das Anpassungsverhalten, die Zukunftsplanung, das Konfliktverhalten, das Risikomanagement und den bisheriger Verlauf.

Die milieutherapeutische Arbeit der Pflegekräfte wird von einem ganzheitlichen Verständnis von Gesundheit und Krankheit begleitet, das durch ein patientenorientiertes Pflegesystem auf Basis einer bedürfnis- und ressourcenorientierten Pflegetheorie unterstützt wird. Die Umsetzung erfolgt geplant und strukturiert an Hand des Pflegeprozesses[2] und auf Grundlage des Standards Bezugspflege in den bayerischen Maßregelvollzugseinrichtungen (Link).

Die Tätigkeiten der Pflege sind in der allgemeinen Stellenbeschreibung Krankenschwester/-pfleger (MGUi 195) (Link) zu entnehmen.

Darüber hinaus ergeben sich weitere spezifische Tätigkeitsmerkmale für die Pflege in der Forensik:

  • Professionelle Gestaltung der Beziehung zu den Patienten zum Schutz und zur Förderung der Integrität und Identität[3] unter dem Aspekt der Wahrung von Nähe-Distanz
  • Deeskalation und Hilfestellung zur Lösung von Konflikten durch Beziehungsarbeit und Milieugestaltung
  • Reflektierter Umgang mit Regeln, Konsequenzen, Macht sowie Verantwortung für den Stationsablauf
  • Förderung der Motivation im Rahmen der Beziehungsarbeit zur Teilnahme an therapeutischen Angeboten
  • Begleitung und Beobachtung im Rahmen der Lockerungserprobung (z.B. Ausgänge)
  • Umsetzungs- und Kontrollfunktion im Rahmen der Sicherheit (Deliktprävention)
  • Aktenstudium im Rahmen der Beziehungsarbeit als Bezugsperson
  • Kontrolle der Medikamenteneinnahme, Beobachtung der Wirkung und Nebenwirkung von Medikamenten und deren Dokumentation (Förderung der Stabilität, Deliktprävention)
  • Kommunikation von patientenrelevanten Informationen im MPT („Blick fürs Ganze“)
  • Mitwirkung und Unterschrift am Therapieplan innerhalb des MPT
  • Mitwirkung und Unterschrift an Stufungsbesprechungen/-konferenzen innerhalb des MPT

 


[1] Vgl. Rakel, Lanzenberger (2009): Pflegetherapeutische Gruppen in der Psychiatrie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. Stuttgart. S. 23-29

[2] Vgl. Hax-Schoppenhorst: Beziehung gestalten – Pflege in der forensischen Psychiatrie. In: Hax-Schopenhorst, Schmidt-Quernheim [Hrsg.] (2008): Professionelle forensische Psychiatrie. Verlag Hans Huber. Bern. S. 227

[3] Vgl. Schoppmann: Einsichten von Innen: Aufgaben und Tätigkeiten der Pflegenden in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Eine qualitative Studie. In: Psych. Pflege Heute (2008); 14: S. 294-306

 

  

 

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